Wozu ?

Katastrophaler Betrachtungswinkel - trotzdem geil....

“ Ich nehme dich im Namen seiner Majestät in Besitz und taufe dich auf den Namen: Hispaniola“

2001 hatte ich das Problem für einige Agenturen zu arbeiten, die wie damals absolut üblich „Mac Only“ waren. Dies bedeutet, dass es ein ernst zu nehmendes Problem war Daten zwischen Windows und Apple Rechnern zu tauschen. Traditionell war das in erster Linie  zwischen Adobe‘s PDFs und der Software in der Druckvorstufe problematisch. Druckerzeugnisse auf PCs zu erstellen war damals unüblich, schlicht weil es neben dem Marktführer Quark (Express) kein ernsthaftes Programm gab um diese zu erstellen. Lange Rede: Die Agenturen von damals bestanden darauf nur mit Macs zu kommunizieren. Also musste so ein Ding angeschafft werden. Der Vorgänger des weissen iBooks im Jahre 2001 waren die bekannten Damenhandtaschen, mit runden Ecken und lächerlichen 800 Pixeln Auflösung. Abgesehen davon, dass die mir schlicht zu feminin waren, war deren Ende gerade eingeläutet. Das neue iBook war weiss wie Schnee und für damals wirklich rattenschnell.

Ich kann damit nix tun - war mein erster Gedanke.

Kein Texteditor stand zur Verfügung (ich wusste es schlicht nicht besser) und kein FTP Programm (ich wusste es schlicht nicht besser). Aus der Windows-Welt kommend hatte ich das Teil dann so eingerichtet, wie es mir vertraut war. Mülleimer auf dem Desktop und alle Daten in „eigene Dateien“ oder „eigene Bilder“ abgelegt. Beim ersten Hochfahren bootete etwas was damals noch OS9 hieß. Unter den Preferences lag etwas in der Nähe des Startvolumes das sich OSX nannte und mir vorerst wie eine bunte Spielerei vorkam. iTunes und iPhoto war noch lange nicht erfunden, Videos schneiden auf dem Rechner noch in weiter Ferne, Videos gucken war schon revolutionär. Irgendwann im Jahre 2002 ist es mir gelungen eine Verbindung zwischen dem Ericsson Handy und dem iBook herzustellen, sodass ich mit sagenhaften 8000 kB unterwegs online gehen konnte.

„Wozu ? “ sagte meine damalige Freundin, was bei mir Empörung auslöste, ob dieser Technologie - Ignoranz. Eine wirkliche Antwort hatte ich damals nicht und muss wohl zugeben Inzwischen immer noch keine wirkliche Antwort zu haben.Heute im Mai 2016 habe ich mir für einen lächerlichen Bruchteil dessen, was ich damals bezahlt habe das baugleiche iBook in der Bucht wieder erstanden. Jetzt tippe ich wieder auf dieser schwammigen Tastatur und verfluche den lahmarschigen G3 Motorola Power PC Prozessor mit seiner umständlichen Architektur, der niemals mehr als 500 MHZ zustande brachte. Eine rührende Reihe von Anschlüssen auf der linken Seite inklusive sogar einer Telefon (!) Buchse. Ein CD Laufwerk ohne DVD oder Brennfunktion auf der rechten Seite und eine Batterie die vermutlich sogar eine ganze Stunde hält. (Bin jetzt schon wieder bei den ominösen 45 %. war das nicht immer so ? Waren das nicht irgendwie immer 45%)

Ob es Sinn macht einen 13 Jahre alten Computer zu kaufen darf ich mich gar nicht erst fragen.

Ich werde niemals wieder darauf arbeiten und ihn wahrscheinlich auch nach dem Abebben meiner Techno-Nostalgie-Welle niemals wieder auch nur anfassen. Nach dem das ganze „Ochh guck mal,.... ja genau, so war das damals...und hier , mein Gott war das umständlich...“ - vorüber ist, wird er vermutlich eine weiss-glänzende Buchstütze in meinem Regal werden. Das Gefühl von damals und ich vermute das ist der wahre und heimliche Grund meiner Investition von sage und schreibe 25 €, das Gefühl von damals technisch ganz weit vorne zu schwimmen ist nicht so leicht wiederholbar. Heute, sage und schreibe 9 Laptops aus der Apfelwelt später, lässt sich dieser Pioniergeist nicht so einfach reproduzieren. Habe ich 9 Laptops lang nach diesem Gefühl gesucht ? Das Gefühl wie ein Kolumbus in den Silikon - Sand zu springen und zu rufen:“ Ich nehme dich im Namen seiner Majestät in Besitz und taufe dich auf den Namen: Hispaniola“ ääh: „Motorola -iBook -  Computer...“.  So oder ähnlich muss es sich für Christoph angefühlt haben eine völlig neue Welt zu betreten in der man wenigstens für sich selber der Erste ist.

Yeah, so war das. 1024 Pixel in der Breite, "Aqua" mit ganz viel blau.

Ist es Zufall, dass die dominierende Farbe von OSX nach wie vor das Blau der Weltmeere wiederholt ?

Hat sich Steve Jobs von ruchlosen Anthropologen, Historikern, Primatenforschern beraten lassen um mir mit dem Blau-Trick noch den letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen ? Allein auf hoher See der Bits und Bytes gelang es mir in den Tiefen der Systemsteuerung den Root-User freizuschalten um mittels Terminal ein Ericsson-Modem-Script abzulegen, das eine 3G Verbindung ermöglicht. Tollkühn „rm -r“ bestätigen um Platz auf den Festplatte zu schaffen und dabei unwiderruflich die Arbeit von zwei Monaten zu verlieren. Ein komplettes Beta-OS auf der Festplatte entdecken, das die nächsten 15 Jahre Quasi zur Tapete meiner Arbeitswelt wurde.  das lässt sich alles ganz sicher nicht so einfach wiederholen.
 „Wozu ..?“